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Damals war's

An diesen Seiten beteiligt sich Willipitschen schon lange Zeit. Er hat sich einmal die Mühe gemacht und Erlebnisse von seinen Reisen aufgeschrieben.

Ja, es ist wirklich lange her, und, nicht zu vergessen, man musste am Tag noch 17 DM Pflichtumtausch leisten. Zuerst einmal zum Reisebüro, fürs Visum, das kostete 25 DM. An der Grenze wäre es zwar viel billiger gewesen, wäre aber mit langem Warten verbunden gewesen. Dann wurde eine Landkarte gekauft und sich die Zunge über die Namen zerbrochen. Noch nie ungarisch gehört. Die Namen wurden ja alle deutsch gelesen. So wurde aus Györ eben Giör.

Na ja, der Treff hatte sehr gut geklappt, mein Schwager bekam damals, 1972, 4,70 Huf für 1 Mark der DDR. Ich bekam etwas über 9 Huf für eine DM. Als wir dann auf den Campingplatz waren, wurde alles begutachtet. Was für uns aus dem Westen schlecht war, störte die aus dem Osten nicht.

So hatte ich den Stellplatz ziemlich nah an der Toilette, und wenn das Auto kam, was die Toilette leerpumpte, dann stank es, je nachdem wie der Wind stand, wirklich fürchterlich. Auch gab es Sachen, die uns ärgerten. So gab es zum Beispiel kein Schwarzbrot. Nur immer Weißbrot, und das hielt sich nicht lange. War vielleicht Mais drin.

Am ABC Laden am Campingplatz standen morgens lange Schlangen um Brötchen zu holen. Obwohl meine Schwägerin schlangenstehen gewohnt war, beschwerte sie sich. Ich habe mich dann morgens angestellt. Ich habe mir eine Stofftasche eingesteckt, bin an der Schlange vorbei bis zur Tür, habe im Laden rein laut Christa gerufen, dann genickt und bin reingegangen. Die Leute dachten meine Frau wäre schon drin.

Die Versorgungslage war gut. Nur eben wenig Auswahl. So gab es zum Beispiel immer Bier. Nur was für welches, das wusste keiner. Einmal gab es nur Balatoni, wir hatten einen Kasten ohne Kasten (den gab es damals nicht) gekauft. Als wir das Bier aufmachten, da schwammen weisse Flocken drin. Mein Schwager kannte das von der DDR her und sagte, dass das Bier ist zu jung sei. Das Weisse sei Eiweiss. Die Flocken haben wir dann rausgefiltert. Aber das Bier schmeckte säuerlich. Wir haben es dann weggeschüttet.

Ein Nachbar von uns hatte einen Bogracs, und kochte darin. Ich fand das so toll, das ich sofort einen gekauft habe. Jetzt kam das Problem Fleisch kaufen. Es war fast nichts zu bekommen. Damals war der Balaton wirklich überlaufen. Der freundliche Nachbar gab uns dann eine Adresse in Veszprem. An der Markthalle dort ist eine grosse Metzgerei. Also, morgens in der Früh, mit der Kühlbox hin. Da gab es wirklich alles in Hülle und Fülle. Man bestellte beim Metzger. Der packte alles ein. Dann ging man zur Kasse, bezahlte. Zum Schluss mit dem Zettel zum Metzger wieder und bekam seine Ware.

Das Angebot wurde wirklich ein paar Jahre besser. Das war als in Szantod der Balatonfüszert aufmachte. Dort war es zwar etwas teurer. Aber man ging dort mit dem Einkaufswagen durch und hatte alles was man brauchte. Ein Frau aus dem Osten sagte mir: "So stelle ich mir den Westen vor."

Aber auch Restaurants gab es nicht genug. Die waren immer voll. Was ich damals fies fand, dass zwischen den Tischen die Leute standen und schauten, wo was frei wurde. Trotzdem hat uns der Urlaub dort gefallen. Damals waren sehr wenige Ungarn auf den Campingplatz. Die meisten waren Ost und Westdeutsche. Und was man viel sah, waren Tschechen. Auf den Campingplatz waren grosse Zelte von einer tschechischen Fabrik aufgebaut und alle 7 Tage kam ein Bus, brachte neue Leute und nahm die anderen wieder mit.

Da war es ratsam, über Nacht keine Wäsche auf der Leine zu lassen. War dann doch mal etwas weg: mit ein bisschen Glück konnte man das in Siofok zurückkaufen.

Der Diesel kostete damals etwa 25 Pfg. Man mußte Coupons haben, dann kostete der Diesel eine DM. Doch ein Geldschein in die Tasche vom Tankwart gesteckt öffete den Zapfhahn. Ich habe immer gedacht, ich könnte gut organiesieren, aber mein Freund aus Dresden konnte es besser.

Eines Tages kam er und frug ob ich mit ihm Pfirsiche pflücken gehen wolle. In Balatonszeplakfelsö gab es eine Plantage. Dort ging man rein mit einen Korb, pflückte den voll und am Ausgang wurde der gewogen. Doch was man dort ass, das war frei. Als ich ein paar Jahre später im gleichen Ort meinen ungarischen Freund kennenlernte, der dort wohnte, wusste selbst der nicht, das man dort selbst pflücken durfte.

Und es gab damals noch die Intertourist-Läden, dort konnte man eben auch westliche Sachen gegen Valuta kaufen.

Die Urlaube haben uns in Ungarn immer gut gefallen. Aber hin und wieder fragte man sich doch, warum man sich das antut, an der Grenze 3-4 Stunden zu warten. Und wenn man dann nach Hause fuhr, sagte man: Das war aber jetzt das letzte mal. Na ja, bis zum nächsten Urlaub war wieder alles vergessen.

 
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