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alte Stiche von Budapest


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Verfasst am: 02.11.2009 09:23
waldi
Halbungar
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Mein lieber Schwager Frici hat mir vor einiger Zeit einen Satz alter Stiche geschenkt – Nachdrucke natürlich.
Mich faszinieren alte Bilder und die damit verbundene Geschichte.
Weil ich dies nicht für mich allein behalten möchte, habe ich die Absicht, ein paar von diesen Werken hier mit einer kurzen Erklärung vorzustellen.
Es handelt sich um eine kleine Kassette mit 16 Bildern, im Original gedruckt vom Verlag Lange in Darmstadt 1856, im Nachdruck vom "Múzsák Kösművelődési Kiadó" Budapest 1988.

http://urmeli.ungarninfo.org/yappa/show.php?size=320x320&album_name=%2FMitgliederalben%2Fwaldi%2FGrngrtel%2FStiche_%2F&obj_name=Stiche_Umschlag.jpg


Der Titel sagt schon aus, dass es sich um Bilder der beiden Städte Buda und Pest aus dem Jahre 1856 handelt. Die Vereinigung der Orte Buda (Ofen), Óbuda (Altofen) und Pest zu Budapest fand ja erst am 1. Januar 1873 statt. Einige Gebäude existieren auch heute noch.
Die Zeichnungen für den Stahldruck stammen - bis auf zwei – von Ludwig Rohbock aus Nürnberg.
Der ungarische Wissenschaftler und Begründer der ungarischen Geographie János Hunfalvy schuf einige herausragende Werke über Städte und Gegenden in Ungarn und Siebenbürgen, die auch Eingang in das "Kronprinzenwerk" fanden.
Zu seinen Hauptwerken zählen:
" Ungarn und Siebenbürgen in Originalansichten ",
" Egyetemes történelem "
(Allgemeine Weltgeschichte),
" A magyar birodalom természeti visonzyainak leirása " (Physische Geographie des ungar. Reichs).
Für die Illustration dieser Bücher wählte er die Technik des Stahldrucks. Einer der Zeichner war der oben erwähnte Ludwig Rohbock.

Ich hoffe, dass die Bilder einigen von Euch auch gefallen.

waldi winki.gif

Und immer neugierig bleiben!

http://s3.postimage.org/1zvvyhyys/Waldis_Sissi_Seiten_weiss180.jpg
Verfasst am: 02.11.2009 09:53
waldi
Halbungar
Durchflieger
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Beiträge: 2572
Bild 1

" A Magyar Tudományos Akadémia Palotája Pesten "

http://urmeli.ungarninfo.org/yappa/show.php?size=320x320&album_name=%2FMitgliederalben%2Fwaldi%2FGrngrtel%2FStiche_%2F&obj_name=Stiche_Budapest_0001.jpg


Die "Ungarische Akademie der Wissenschaften" ist die höchste wissenschaftliche Institution Ungarns.
Die seit 1808 diskutierte Gründung einer eigenen ungarisch-sprachigen Akademie erfolgte 1825 in Pozsony, der damaligen ungarischen Krönungsstadt Pressburg (heute Bratislava). Graf István Széchenyi, der große Staatsreformer und Unternehmer Ungarns des beginnenden 19. Jahrhunderts, bot für diese Gründung sein Jahreseinkommen an.
Die heutige Bezeichnung der Akademie entstand 1845.
In den ersten Jahrzehnten – insbesondere bis zum Österreichisch-Ungarischen Ausgleich 1867 – befasste sich die Akademie u. a. mit dem ungarischen Bildungssystem. Nach der Klärung des politischen Status Ungarns konnte sie sich dann verstärkt der Wissenschaftsförderung zuwenden und gliedert sich seit längerem in drei Hauptbereiche:
> Sprachwissenschaft und Schöne Künste
> Philosophie, soziale und historische Wissenschaften
> Mathematik und Naturwissenschaften

http://urmeli.ungarninfo.org/yappa/show.php?size=320x320&album_name=%2FMitgliederalben%2Fwaldi%2FSisi%2F&obj_name=Franz-Joseph-Platz.jpg
der Ferenc Jósef tér mit der Akademie etwa 1868


Das Gebäude an der Pester Auffahrt zur Széchenyi-Lánczhíd, vom Architekten Friedrich August Stüler im Stil der Neorenaissance errichtet, wurde 1865 eingeweiht und beherbergt heute neben mehreren Vortrags- und Sitzungssälen die Büroräume der Akademie und außerdem einen prächtig geschmückten Festsaal, der u. a. mit Bildern von Károly Lotz ausgestattet ist. Hier finden viele gern besuchte Konzerte statt.

http://urmeli.ungarninfo.org/yappa/show.php?size=320x320&album_name=%2FMitgliederalben%2Fwaldi%2FGrngrtel%2FStiche_%2F&obj_name=budapest_036_S.jpg
die Akademie der Wissenschaften 2008


Eine wissenschaftliche Bibliothek von unschätzbarem Wert, deren Grundstock die Bibliothek der Familie Teleki mit ihrer Sammlung orientalischen Schriftgutes bildete, finden wir hier ebenso. Sie umfasst auch den Nachlass von Sándor Körösi Csoma, der sich um die Erforschung der Herkunft des ungarischen Volkes verdient gemacht hat.
In der Eingangshalle hängt ein großes Relief, das die ungarische "Erzsébet királyné" an der Bahre des großen Ungarn Ferenc Deák zeigt.

http://urmeli.ungarninfo.org/yappa/show.php?size=320x320&album_name=%2FMitgliederalben%2Fwaldi%2FGrngrtel%2FStiche_%2F&obj_name=Akademie_006_S.jpg
Sissi im Festibül der Akademie der Wissenschaften, Barnabás Holló 1914


waldi winki.gif

Und immer neugierig bleiben!

http://s3.postimage.org/1zvvyhyys/Waldis_Sissi_Seiten_weiss180.jpg
Verfasst am: 02.11.2009 11:04
Josef
Halbungar
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Herrliche alte Stiche.
So etwas zu betrachten ist ein Genuss. winki.gif
LG

Josef

Liebe Grüße

Josef
Verfasst am: 03.11.2009 15:15
waldi
Halbungar
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Beiträge: 2572
Bild 2

" Feldunasor Pesten "

Wenn ich mich auf dem Ferenc Jósef tér (heute Roosevelt tér) umdrehe und vom Palast der Akademie aus die Gegend betrachte dann bietet sich mir folgendes Bild (vorausgesetzt ich befinde mich im Jahre 1856):

http://urmeli.ungarninfo.org/yappa/show.php?size=320x320&album_name=%2FMitgliederalben%2Fwaldi%2FGrngrtel%2FStiche_%2F&obj_name=Stiche_Budapest_0011.jpg


Gegenüber am anderen Ende des Ferenc Jósef tér wurde von József Hild von 1826 bis 30 der "Lloyd-Palast" errichtet. Am rechten Bildrand kann man den Gellertberg mit der Zitadelle erkennen.

Untrennbar verbunden mit dem Lloyd-Gebäude ist die Geschichte des "PESTER LLOYD". Unter den verschärften Vorschriften der Zensurbehörde des Minister-Barons Bach erhält die "Pester Lloyd Gesellschaft" die Genehmigung zur Herausgabe einer Zeitung. Am 11. Dezember 1853 erscheint das Probeblatt in einer Auflage von 5.000 Exemplaren und am 1. Januar 1854 erscheint die Nr. 1 des "PESTER LLOYD".
Von Beginn an stehen Börsenkurse, Handelsberichte und innen- wie außenpolitische Geschehnisse im Mittelpunkt der Berichterstattung. Auch das Feuilleton hat sofort seinen festen Platz auf den vorderen Seiten.

1864 wird im Lloyd-Palast am heutigen Roosevelt tér die Budapester Börse eröffnet.

Vom Balkon des Lloyd-Palastes verfolgte 1867 die frisch gekrönte ungarische Königin Elisabeth den "Schwerthieb" ihres Gatten Franz Joseph auf dem eigens dafür aufgeschütteten Krönungshügel.

http://urmeli.ungarninfo.org/yappa/show.php?size=320x320&album_name=%2FMitgliederalben%2Fwaldi%2FSisi%2F&obj_name=Krnungshgel.jpg
eine zeitgenössische Zeichnung aus der "Vasárnapi Újság"


Im PESTER LLOYD erscheint der erste Abdruck eines Werkes von Jules Verne in deutscher Sprache ("Reise zum Mond"). Der große Romancier Mór Jókai lancierte diesen Autoren und meldet sich auch selbst regelmäßig zu Wort. In den folgenden Jahren werden mehr als ein Dutzend seiner Romane im PESTER LLOYD als deutschsprachige Erstausgaben vorab gedruckt.

Im Dezember 1867 übernimmt Max Falk die Chefredaktion des Blattes, unter anderem auf Betreiben von Graf Gyula Andrássy. Falk steht den jeweiligen Deák-Parteien nahe, die wesentlich zum "Ausgleich" beigetragen haben. In den nächsten Jahren verfolgt das Blatt eine regierungsnahe Linie und ist auf seriöse und gemäßigt unabhängige Berichterstattung bedacht, gerät dabei ständig in kreativen Konflikt zwischen Magyarisierung der Gesellschaft und der eigenen zwar patriotischen aber stets liberalen Einstellung.

Ab 1875 erscheint nun das Abendblatt regelmäßig mit mindestens vier Seiten. PESTER LLOYD ist nun die führende deutschsprachige Zeitung Ungarns. Das Netz der Auslandskorrespondenten wird erweitert, die Politik erscheint zunehmend auf der ersten Seite.

http://urmeli.ungarninfo.org/yappa/show.php?size=original&album_name=%2FMitgliederalben%2Fwaldi%2FGrngrtel%2FStiche_%2F&obj_name=lloyd_palota_S.jpg
ein Foto des LLoyd-Palota vom Krönungshügel aus gesehen

Im Laufe der Zeit finden sich unter den Autoren viele bekannte Namen. August Strindberg und Selma Lagerlöf schreiben Feuilletons für den PESTER LLOYD, Alexander Roda Roda, der später als ironischer Kommentator der K.u.K. Zeit berühmt wird, schreibt das erste Mal im PESTER LLOYD. Er bleibt der Zeitung bis 1937 treu (ca. 60 Beiträge) Max Ruttkay-Rothauser, Autor vieler Dramen und Operettenlibretti wird Theaterkritiker beim PESTER LLOYD. Franz Molnár, Autor u.a. des “Liliom” und sozialkritscher Schriftsteller, schreibt zum ersten Mal für den PESTER LLOYD (bis 1928 ca. 40 Beiträge) ebenso der in Wien lebende Humorist Ludassy.
Heinrich Mann und Gyula Krúdy veröffentlichen Prosawerke im PESTER LLOYD. Gedichte Endre Adys werden in Nachdichtungen von Heinrich Horvát erstmals in deutscher Sprache gedruckt.

http://urmeli.ungarninfo.org/yappa/show.php?size=original&album_name=%2FMitgliederalben%2Fwaldi%2FGrngrtel%2FStiche_%2F&obj_name=Lloyd_Palota.jpg
ein Foto vom LLoyd-Palota wahrscheinlich von der Kettenbrücke aus fotografiert


1923 schreibt Stefan Zweig zum ersten Male für ein Feuilleton mit dem Titel “Der richtige Goethe” und Franz Lehár schreibt für den PESTER LLOYD Artikel aus Wien.

Der "PESTER LLOYD" erscheint 1934 zweimal täglich mit einer Auflagenhöhe von ca. 25.000 Exemplaren (höchste Auflage in der gesamten Geschichte).

Am 19.03.1944 werden fünf Autoren des PESTER LLOYD nach Auschwitz transportiert: Ernő Geiringer, György Kecskeméti, István Keller, Péter Sugár und Gyula Morgernstern.

Am 1. April 1945 wurde die letzte Ausgabe als Morgenblatt und Nr. 74 in Sopron herausgegeben (Seite 1: “Harte Abwehrkämpfe an der ungarischen Front“), bevor sich Teile der Redaktion über die Grenze in Richtung Wien absetzten.

Die Reste des am Kriegsende zerstörten Gebäudes wurden 1948 abgetragen.

http://urmeli.ungarninfo.org/yappa/show.php?size=original&album_name=%2FMitgliederalben%2Fwaldi%2FGrngrtel%2FStiche_%2F&obj_name=lloydpalast1945.jpg
das ausgebrannte LLoyd-Palota nach dem zweiten Weltkrieg


Heute steht an seinem Platz das Hotel "Sofitel Budapest Chain Bridge".

Nach fast 50 Jahren erzwungenem Schweigen durfte der PESTER LLOYD im Jahre 1994 als Gemeinschaftsprojekt deutscher und ungarischer Journalisten und Publizisten als moderne Qualitäts-Wochenzeitung wiedererstehen. Der PESTER LLOYD wurde wieder die führende deutschsprachige Tageszeitung Ungarns.

Der Pester Lloyd wurde 2009 155 Jahre alt. Der wiedergegründete PESTER LLOYD erschien seit 15 Jahren.
Im Mai 2009 wurde die Printausgabe auf Grund des wirtschaftlichen Umfeldes eingestellt, der PESTER LLOYD erscheint nun als Online-Tageszeitung.


waldi winki.gif

Und immer neugierig bleiben!

http://s3.postimage.org/1zvvyhyys/Waldis_Sissi_Seiten_weiss180.jpg
Verfasst am: 06.11.2009 21:14
waldi
Halbungar
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Beiträge: 2572
Bild 3

" A Redoutteépület Pesten "


http://urmeli.ungarninfo.org/yappa/show.php?size=320x320&album_name=%2FMitgliederalben%2Fwaldi%2FGrngrtel%2FStiche_%2F&obj_name=Stiche_Budapest_0012.jpg


Wenn ich zwischen Donau und LLoyd-Palota am Franz Josephskai entlang laufe, dann tut sich eine Baulücke auf mit einem kleinen Park und einem prachtvollen Gebäude.

Die nach den Plänen von Mihály Pollack am Franz-Josephskai in Pest erbaute "Redoute" die 1933 eröffnet worden war, gehörte zu den wichtigsten Kultur- und Unterhaltungszentren der Hauptstadt. Johann Strauss der Ältere gastierte in der Redoute und 1839 gab Ferenc Liszt ein großes Konzert.

Auf Betreiben von Lajos Kossuth wurde im August 1842 die erste große Gewerbe-Ausstellung gezeigt.

1848/49 diente die Redoute als Abgeordnetenhaus.

http://urmeli.ungarninfo.org/yappa/show.php?size=320x320&album_name=%2FMitgliederalben%2Fwaldi%2F1848-49%2F&obj_name=Orszggyuls_megnyitsa_1848.jpg
die Parlamentseröffnung am 5. Juli 1848 in der Pester Redoute
Lithografie von August von Pettenkofen, koloriert von József Borsos



Gegen Ende des Freiheitskampfes im Mai 1849 wurde die Redoute vom österreichischen General Hentzi von Buda aus zerstört.
Ich bin mir nicht sicher, aber vermutlich zeigt dieses Bild die Redoute vor der Zerstörung.

http://urmeli.ungarninfo.org/yappa/show.php?size=original&album_name=%2FMitgliederalben%2Fwaldi%2FGrngrtel%2FStiche_%2F&obj_name=Vigado_alt.jpg


Das zerstörte Gebäude wurde ab 1859 nach den Plänen von Frigyes Feszl wieder aufgebaut. Das 1865 fertiggestellte, mit eigenartigen orientalischen Elementen verzierte, romantische Gebäude sorgte für großes Aufsehen und ist seither eines der charakteristischsten Baudenkmäler Budapests. Die Front ist gegen den ersten Square des Franz-Josephskais (heute Belgrad-rakpárt) gerichtet. Das Pesti Vigadó ist im Erdgeschoss mit ungeheueren Arkaden und im ersten Stock mit einer großen Loggia versehen. Die Säle sind mit den Balladen-Fresken von Károly Lotz und Mór Than ausgeschmückt. Ein Großteil der Skulpturen wurde vom Bildhauer Károly Alexy gefertigt.

Am Dienstag den 16. März 1869 wurde die Polka "Eljen a Magyar" von Johann Strauss (Sohn) im Promenadekonzert in der Pester Redoute uraufgeführt.

http://urmeli.ungarninfo.org/yappa/show.php?size=320x320&album_name=%2FMitgliederalben%2Fwaldi%2FGrngrtel%2FStiche_%2F&obj_name=Vigado_0002.jpg
eine Fotografie um 1900, links die Gasse – Vigadó ú. – führt zum Gizella tér (heute Vörösmarty tér), im Park vor der Redoute steht noch der "Hangl-Kiosk".


Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Pester Redoute schwer beschädigt. Mit ihrem Wiederaufbau wurde in den 70er Jahren begonnen. Ihr heutiges Aussehen erhielt sie 1980.

http://urmeli.ungarninfo.org/yappa/show.php?size=320x320&album_name=%2FMitgliederalben%2Fwaldi%2FSommer_2008%2F&obj_name=budapest_vigado.jpg


Von Anfang an verfügte die Pester Redoute über den Vorteil, dass ihr Konzertsaal für die verschiedensten Zwecke geeignet war. Im 19. Jahrhundert veranstaltete man besonders viele Bälle, festliche Empfänge und Festreden. Selbstverständlich war aber die Redoute auch eines der Zentren der klassischen Musik. Hier traten die größten Musiker des 19. und 20. Jahrhunderts auf. So gastierte Franz Liszt hier mehrmals als Pianist und Kapellmeister - 1875 gemeinsam mit Richard Wagner.
Johannes Brahms, Camille Saint-Saens
und Claude Debussy gaben in der Pester Vigadó Konzerte. Hier dirigierten Bruno Walter und Herbert von Karajan.
Auf der Bühnen standen auch Solisten wie Wladimir Horowitz oder Arthur Rubinstein.
Die berühmtesten ungarischen Komponisten Dohnányi, Bartók und Kodály betrachteten die Redoute praktisch als ihr Zuhause.

Die restaurierte Pester Redoute ist vielleicht das schönste "Kulturhaus" des Landes. Der repräsentative Konzertsaal mit seinen 700 Sitzplätzen ist auch heute der bestimmende Schauplatz des Musiklebens der Hauptstadt. Im Kammersaal mit 200 Sitzplätzen finden Theateraufführungen, Kammerkonzerte und kulturelle Veranstaltungen statt.
Die Vigadó Galerie ist einer der wichtigsten Ausstellungsorte der ungarischen zeitgenössischen bildenden Kunst.

Im Gebäude werden aber auch Konferenzen, Bankette oder Empfänge veranstaltet.
Das historische Gebäude der Pester Vigadó wird seit 1992 von der Stiftung für Kunst und Öffentliche Bildung genutzt. Die Stiftung unternimmt - sich auf ihre eigenen Einnahmen stützend - bedeutende Anstrengungen zur Unterstützung der ungarischen Musikkultur. Sie organisiert in jeder Saison Konzertreihen unter Mitwirkung ungarischer Komponisten und Ensembles. Auf dem Ausschreibungswege sichert sie vergünstigte Auftrittsmöglichkeiten in den Sälen der Pester Redoute zu und gewährt finanzielle Unterstützung für die Schaffung neuer Werke, die Arbeit talentierter Ensembles und für die Herausgabe von CDs mit den Werken zeitgenössischer ungarischer Komponisten.
Das andere Hauptbetätigungsfeld der Stiftung ist die Unterstützung der zivilen Initiativen auf dem Gebiet der Kultur und Bildung. Im Rahmen eines öffentlichen Ausschreibungssystems erhalten jährlich mehrere hundert Gruppen, die auf den Gebieten Volkstanz, Volksmusik, Schauspiel, Fotografie, Traditionsbewahrung, Ortsgeschichte, Bildender Kunst und Kunsthandwerk usw. tätig sind, finanzielle Unterstützung.
Die Stiftung und das Ungarische Stiftungszentrum gewähren gemeinsam Non-Profit-, Rechts- und Wirtschaftsberatung und betreiben eine Fachbibliothek.
Die Vigadó Galerie wird von der Stiftung für Kunst und Öffentliche Bildung, der Stiftung der Ungarischen Künstler und dem Ungarischen Künstlerverband betrieben. Auf einer Grundfläche von fast 600 m2 werden in dem zweigeschossigen Ausstellungssaal jährlich 30-35 Kunstausstellungen veranstaltet. Die Galerie stellt in erster Linie zeitgenössische ungarische Werke vor: Malerei, Bildhauerei, Textilkunst und Fotografie. Über das Ausstellungsprogramm entscheidet in jedem Jahr ein aus renommierten Künstlern bestehender Rat.


waldi winki.gif

Und immer neugierig bleiben!

http://s3.postimage.org/1zvvyhyys/Waldis_Sissi_Seiten_weiss180.jpg
Verfasst am: 10.11.2009 00:08
waldi
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Beiträge: 2572
Bild 4

" Aldunasor Pesten "

http://urmeli.ungarninfo.org/yappa/show.php?size=320x320&album_name=%2FMitgliederalben%2Fwaldi%2FGrngrtel%2FStiche_%2F&obj_name=Stiche_Budapest_0010.jpg


Dieses Bild bot sich um 1856, wenn man vor dem Vigadó am Donauufer stehend sich nach rechts wand. Händlertreiben am Wasser und eine Häuserreihe aus der Kirchtürme ragen. Rechts auf dem Gellertberg sehen wir die von den Habsburgern nach dem Ungarnaufstand 1848/49 errichtete Zitadelle. Damit wollte man Budapest besser kontrollieren können.


Bild 5

" A görög egyház az aldunasorban "

http://urmeli.ungarninfo.org/yappa/show.php?size=320x320&album_name=%2FMitgliederalben%2Fwaldi%2FGrngrtel%2FStiche_%2F&obj_name=Stiche_Budapest_0014.jpg


Die gleiche Häuserreihe wie im vorigen Bild aus entgegengesetzter Perspektive – da steht heute ungefähr das Petőfi-Denkmal.
Bestimmt wird das Bild durch die griechisch-orthodoxe Kirche. Erbaut wurde sie um 1800 von József Jung im Auftrag der griechischen und der mazedonischen Kaufmannsfamilien, die sich in den Jahren 1791 bis 1801 in Budapest niedergelassen hatten. Damals zählte die Gemeinde etwa 700 Mitglieder.
1872-73 wurde die Kirche nach Plänen des damaligen Stararchitekten Miklós Ybl umgebaut.

http://urmeli.ungarninfo.org/yappa/show.php?size=320x320&album_name=%2FMitgliederalben%2Fwaldi%2FGrngrtel%2FStiche_%2F&obj_name=orthodoxe_Kirche_Budapest.jpg
Ein Foto des Pester Donauufers um 1910 zeigt die griechisch-orthodoxe Kirche
mit der von Miklós Ybl umgestalteten Fassade und den aufgesetzten Türmen



Im Laufe der Zeit "magyarisierte" sich die griechische Minderheit, sodass die Zahl der Gemeindemitglieder die die griechische Liturgie verstand, immer mehr abnahm. In den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts kam das Gemeindeleben völlig zum Erliegen.

Im Krieg wurde der Südturm der Kirche zerstört. Danach sah die Kirche etwa 60 Jahre lang so aus:

http://urmeli.ungarninfo.org/yappa/show.php?size=320x320&album_name=%2FMitgliederalben%2Fwaldi%2FGrngrtel%2FStiche_%2F&obj_name=Kirche.jpg
Ein Foto der ungarisch-orthodoxen Kirche von etwa 2005


Nach dem Krieg stellten die Orthodoxen den Antrag, die Liturgie in ungarischer Sprache abhalten zu dürfen.
1949 kam man der Bitte nach und die neu entstandene "ungarisch-orthodoxe Kirche" wurde dem Moskauer Patriarchat und dadurch der russischen Orthodoxie unterstellt.
In den siebziger Jahren gab es Versuche den fehlenden Turm wieder aufzubauen. Nach einem Stockwerk musste man - wahrscheinlich aus Geldmangel - wieder aufgeben.
Im Jahre 2000 wurde Budapest ein eigenes Bistum und nahm einen neuen Anlauf der aber auch misslang.

2003 wurde der vorher in Wien wirkende Bischof Hilarion auch Bischof des ungarisch-orthodoxen Eparchats. Er setze sich sofort stark für den Wiederaufbau des Turmes ein und begann nach Spendern zu suchen.

Bei einem Staatsbesuch des russischen Präsidenten Putin im Jahre 2006 besuchte dieser auch die orthodoxe Kirche. In Verhandlungen mit der ungarischen Regierung sagte Putin die Rückgabe von im zweiten Weltkrieg von der roten Armee erbeuteten Kunstschätzen zu. Im Gegenzug unterstützte Ungarn finanziell die Erstellung der Pläne für die orthodoxe Kathedrale.

Nach Auskunft von Protoierej (Gemeindepriester) István Magyar steht seit kurzem ausreichend Geld zur Verfügung, sodass die Bauarbeiten endlich beginnen konnten.
Die Kirche wird also bald wieder so aussehen wie auf dem obigen Bild von 1910.
Bisher bin ich immer achtlos an diesem unauffälligen Bauwerk vorbeigegangen, aber durch die Nachforschungen zu diesem Beitrag bin ich neugierig geworden. Es soll eine große Hallenkirche sein mit einer faszinierenden Ikonostase.
Im Garten der Kathedrale "Zu unserer lieben Frau" (Nagyboldogasszony magyar ortodox székesegyház), einem alten Friedhof, sollen noch Grabsteine aus dem 18. und 19. Jahrhundert zu sehen sein.


waldi winki.gif

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http://s3.postimage.org/1zvvyhyys/Waldis_Sissi_Seiten_weiss180.jpg
Verfasst am: 11.11.2009 02:34
waldi
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Beiträge: 2572
Ergänzung zum letzten Beitrag:

Auf dieser alten Zeichnung kann man erahnen wie groß und prunkvoll die griechisch-orthodoxe Kirche sein muss.

http://urmeli.ungarninfo.org/yappa/show.php?size=320x320&album_name=%2FMitgliederalben%2Fwaldi%2FGrngrtel%2FStiche_%2F&obj_name=kirche_innen.jpg


waldi winki.gif

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http://s3.postimage.org/1zvvyhyys/Waldis_Sissi_Seiten_weiss180.jpg
Verfasst am: 11.11.2009 10:21
pitti
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Lieber Waldi,

für solch eine Kirche hätte Josef sofort eine Notbremsung gemacht und wenn seine Erna nicht angeschnallt wäre, würde sie durch die Scheibe fliegen. cheesy.gif

Danke für Deine schönen Beiträge. bingo.gif

Mit liebe Gruss Pitti winki.gif

http://pitti.ungarnportal.org/CMS/bilder/ungarnanim.gif

http://pitti.ungarnportal.org/CMS/bilder/000HP.jpg
Verfasst am: 11.11.2009 20:00
waldi
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Beiträge: 2572
Für Josef ist jede Kirche interessant!

Vielleicht kennt er sie sogar. Wer weiß?

Die innerstädtische Pfarrkirche gleich nebenan an der Elisabethbrücke hat er sicher besucht! Davon handelt auch mein nächster Beitrag hier. Dazu brauch ich aber noch ein paar Fakten.

Und herzlichen Dank für Dein Lob, pitti! hugme.gif
Das tut gut! blush.gif


waldi winki.gif

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http://s3.postimage.org/1zvvyhyys/Waldis_Sissi_Seiten_weiss180.jpg
Verfasst am: 11.11.2009 23:28
waldi
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Beiträge: 2572
Bild 6

" Hal-tér s a városi egyház Pesten "


http://urmeli.ungarninfo.org/yappa/show.php?size=320x320&album_name=%2FMitgliederalben%2Fwaldi%2FGrngrtel%2FStiche_%2F&obj_name=Stiche_Budapest_0016.jpg


Die innerstädtische Pfarrkirche (Belvárosi plébániatemplom) an der Pester Auffahrt zur Elisabethbrücke ist die älteste Kirche von Budapest.
Informationen über die Entstehung der ersten Kirche sind nicht mehr vorhanden.

König István (Stephan) hatte den Benediktinerabt Gerhardus aus Venedig als Missionar, Bischof und Erzieher seines Sohnes Imre nach Ungarn berufen. Der Legende nach soll er bei den Heidenaufständen 1046, in ein Fass genagelt, vom Berg in die Donau gestoßen worden sein. In der innerstädtischen Pfarrkirche ist der "heilige Gellert" begraben worden.

In der romanischen Kirche wurde 1211 Elisabeth (die spätere Heilige), die vierjährige Tochter von König Andreas II., mit dem künftigen Landgrafen Ludwig von Thüringen verlobt.

http://urmeli.ungarninfo.org/yappa/show.php?size=320x320&album_name=%2FMitgliederalben%2Fwaldi%2FSommer_2008%2F&obj_name=budapest_017.jpg
die innerstädtische Pfarrkirche (Belvárosi Plébániatemplom) an der Elisabethbrücke mit ihrer markanten Doppelturmfassade von 1723.

Nach dem Tatareneinfall wurde sie im 14. Jahrhundert unter König Zsigmond in gotischem Stil umgebaut.
Unter König Matthias Corvinus wurde die Kirche um zwei Seitenschiffe erweitert.
Während der türkischen Besatzung wurde die Kirche als Moschee benutzt. Eine Gebetsnische (Mihrab) im Chor zeugt heute noch davon.
Inm barocken Stil umgebaut wurde die Stadtpfarrkirche von 1725 bis 1739 von Johann Georg Pauer, einem deutschstämmigen Baumeister.
Die Kirche wurde noch mehrere Male restauriert:
1805 bis 1808 von János Hild,
1889 von Imre Steindl
und nach 1945 von László Gerő.
Das Kircheninnere wurde 1976/77 renoviert.

Als man nach dem zweiten Weltkrieg den Wiederaufbau der zerstörten Elisabethbrücke – in einer breiteren, dem größeren Verkehrsaufkommen angepassten Form – in Angriff nahm, soll man über einen Abbruch der Kirche diskutiert haben.
Das folgende Bild zeigt, dass man sich dafür entschieden hat, die Strasse in einem eleganten Schlenker an der Kirche vorbei zu führen.

http://urmeli.ungarninfo.org/yappa/show.php?size=320x320&album_name=%2FMitgliederalben%2Fwaldi%2FGrngrtel%2FStiche_%2F&obj_name=Schlenkerr.jpg
die Auffahrt zur Elisabethbrücke etwa 1970


Im Inneren verbindet sich der edle, hochgotische Umgangschor nach französischem Vorbild (Ende 14. Jh.) mit einem barocken Langhaus. Wertvollster Kunstbesitz sind gotische Freskenreste eines italienischen Wandermalers in der Taufkapelle sowie die beiden Sakramentsnischen aus Rotmarmor, bahnbrechende Werke der Frührenaissance in Ungarn (1507).
Am Morgen des 4. Februar 1872 dirigierte hier Franz Liszt seine "Missa Choralis Nr. 4".
2002 wurde der "Altar des heiligen Gerhardus" (Szt. Gellert kegyaltár) eingeweiht.

waldi winki.gif

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