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Erzsébet királyné


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Verfasst am: 09.06.2009 21:16
waldi
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Danke Mädels und Jungs! blush.gifblush.gifblush.gif

Nur nicht aufhören mit dem Lob!
Dann klappts auch mit der Fortsetzung! cheesy.gif


Liebe Karin,
So ganz nebenbei bin ich auch in einem Sissiforum unterwegs. Da hat man den Film schon zerrissen, bevor man wusste wer was wo macht. Als Sissi erwarten die meisten eine neue Romy. Das muss immer enttäuscht werden.
Ich persönlich würde mich über einen Film freuen, der das ganze Leben der Kaiserin Elisabeth von Österreich und Königin von Ungarn zum Thema hat und nicht nach der Krönung zur Königin von Ungarn aufhört. Das hat noch niemand fertig gebracht.
Angucken werde ich mir den Film auf jeden Fall.

waldi winki.gif

Und immer neugierig bleiben!

http://s3.postimage.org/1zvvyhyys/Waldis_Sissi_Seiten_weiss180.jpg
Verfasst am: 17.06.2009 00:13
waldi
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http://urmeli.ungarninfo.org/yappa/show.php?size=320x320&album_name=%2FMitgliederalben%2Fwaldi%2FSisi%2F&obj_name=Sattel_der_Kaiserin.jpg
der Sattel von Kaiserin Elisabeth



Sissi, Königin der Ungarn 23. Teil


Der Beginn der intensiven Reiterei

Sissis Schwester, Exkönigin Marie von Neapel hatte sich in England ein Jagdschloss gekauft und lud Sissi dahin ein. 1874 fuhr Sissi mit der Begründung, dass Valerie Seeluft benötige, mit ihr auf die Ile of Wight. Aus politischen Gründen tat sie dies unter dem Namen einer Gräfin von Hohenembs. Einem Besuch bei der auch auf der Insel weilenden Queen Victoria konnte sie trotzdem nicht ausweichen. Sissi fand die englische Königin nicht sehr sympathisch. Statt die Queen noch einmal zu besuchen, fuhr sie lieber in berühmte Gestüte und schaute sich Jagdpferde an. An Franz Joseph schrieb sie: "Sehr schöne Pferde sah ich auch, aber alle sehr teuer. Das ich am liebsten haben würde, kostet 25 000 Fl., also natürlich zu teuer."
Kaum zwei Wochen später schenkte ihr Lady Dudley ein schönes großes englisches Jagdpferd. Für den Kaiser war dies eine peinliche Angelegenheit, für Sissi ein Triumph. Wie damals 1867, als es um Schloss Gödöllő ging, erhielt sie von anderen geschenkt, was ihr Mann ihr verwehrte.
Schwester Marie machte Sissi mit der internationalen Gesellschaft der Jagd- und Rennreiter bekannt. Darunter befanden sich auch die aus Wien stammenden Brüder Baltazzi mit ihrer Schwester Helene, die uns später wieder begegnen wird.
Der Einfluss von Marie von Neapel auf die Kaiserin war in dieser Zeit sehr stark. Marie führte, dank der Familie Rothschild, ein sorgloses Leben und hatte keine Rücksichten zu nehmen.
Die Bemühungen von Marie Festetics, an das Pflichtgefühl der Kaiserin zu appellieren waren nicht sehr erfolgreich.
Diese erste Englandreise hatte Elisabeths Ehrgeiz aufgestachelt. Sie nahm sich vor, wie ihre Schwester Marie auf den großen Jagden zu glänzen. In Wien trainierte Sissi deshalb mit ihrem großen englischen Jagdpferd mit den höheren englischen Hindernissen und mit ihrem selbstverständlich auch aus England stammenden Stallmeister Allen auf dem Rennplatz in Freudenau. Die Wiener ließen sich dieses Schauspiel natürlich nicht entgehen und strömten zur Rennbahn um ihre Kaiserin beim Hindernisspringen zu beobachten. Deshalb zog sich Sissi nach Gödöllő zurück und blieb immer länger dort, was die Cisleithanier wieder verärgerte.

1875 starb der Ex-Kaiser Ferdinand und hinterließ dem Kaiserhaus ein beträchtliches Vermögen.
Die Apanage der Kaiserin wurde auf 300 000 Gulden jährlich verdreifacht. Dazu schenkte ihr der Kaiser noch zwei Millionen Gulden. Damit war Sissi finanziell unabhängig und musste nicht mehr wegen jeder Mehrausgabe die Zustimmung des Kaisers einholen.
Von da an vermehrte Sissi ihr Privatvermögen trotz riesiger Ausgaben stetig, ließ Aktien und Pfandbriefe kaufen und legte mehrere Sparbücher - teilweise unter anderem Namen - bei verschiedenen Bankhäusern an. Für den Fall einer notwendigen Emigration legte sie auch beim Bankhaus Rothschild in der Schweiz ein Konto an.
Die unmittelbare Folge der Erbschaft war, dass Sissi nach England zur Fuchsjagd wollte. Diesmal nicht als Zuschauerin, sondern als Teilnehmerin.
Weil sie sich noch nicht fit genug fühlte, um auf englischen Parcours die beste, die schönste und verwegenste Reiterin zu sein, machte sie 1875 einen mehrwöchigen Reit- und Badeurlaub in der Normandie. Dr. Widerhofer empfahl den Aufenthalt für Valerie wegen der jodhaltigen Seeluft.
Mit einem Sonderzug kam Elisabeth in "Fécamp" an.

http://urmeli.ungarninfo.org/yappa/show.php?size=320x320&album_name=%2FMitgliederalben%2Fwaldi%2FSisi%2F&obj_name=Sissi_Fecamp_aus_Le_Monde_illustre_7-1875.jpg
Die Ankunft der Kaiserin in Fécamp
eine Zeichnung aus der "Le Monde Illustre" Juli 1875



Im Park von "Sassetot le Mauconduit" war genug Platz für die englischen Hindernisse. Viele Pferde, der Stallmeister und zahlreiches Stallpersonal machten die Erholungsreise der kleinen Valerie mit.

http://urmeli.ungarninfo.org/yappa/show.php?size=320x320&album_name=%2FMitgliederalben%2Fwaldi%2FSisi%2F&obj_name=chateau_sassetot_1875.jpg
das Chateau von Sassetot 1875


Der kleine Ort "Pays de Coux" war von Juli bis September – einen Sommer lang - von Elisabeths Anwesenheit geprägt.

http://urmeli.ungarninfo.org/yappa/show.php?size=320x320&album_name=%2FMitgliederalben%2Fwaldi%2FSisi%2F&obj_name=Pays_de_Coux.jpg
Der Ort Pays de Coux zur Zeit von Elisabeths Besuch


Vormittags ging Sissi schwimmen und der Nachmittag gehörte den Pferden. Gräfin Festetics sah mit Entsetzen wie der englische Reitlehrer Allen die Kaiserin zu immer neuen waghalsigen Kunststücken anfeuerte. Die Folge war am 11. September ein schwerer Reitunfall mit Gehirnerschütterung. Der Unfall erwies sich schon nach wenigen Tagen als nicht lebensgefährlich. Sissi dachte nicht daran ihre Reitleidenschaft zu zügeln, ganz im Gegenteil.
Allerdings musste Valerie ihrer Mutter versprechen, nie ein Pferd zu besteigen.
Auf ihrer Reise von Sassetot nach Gödöllő machte Sissi nur kurz in Paris, in München bei Gisela und in Wien Station. Der Kaiser musste nach Gödöllő reisen um seine Frau nach all den Aufregungen wiederzusehen.

http://urmeli.ungarninfo.org/yappa/show.php?size=320x320&album_name=%2FMitgliederalben%2Fwaldi%2FSisi%2F&obj_name=Ch._Rey_Kaiserin_an_der_Kste_der_Normandie.jpg
Kaiserin Elisabeth an der Küste der Normandie
ein Gemälde von Ch. Rey von 1875



Sissis Schwester Marie besorgte in "Easton Neston" in Northamptonshire ein geeignetes Jagdhaus für Sissis zweite Englandreise Anfang März 1876.
Am Ostermontag traf die österreichische Kaiserin in England ein.
Diese Reise konnte nicht mehr der kleinen Valerie angelastet werden. Es war eine reine Sport- und Vergnügungsreise der Kaiserin. Lord Spencer, dessen Landsitz in der Nähe war, engagierte für Sissi einen der besten Reiter Englands, Bay Middleton. Dieser stämmige, rothaarige, schwerhörige und neun Jahre jüngere, selbstbewusste Schotte mit rüder Art, war einer der wenigen Menschen von denen sich Elisabeth widerspruchslos herumkommandieren ließ.
Die Rennen waren anstrengend und schwer und wurden in einem hohen Tempo, mit großen Pferden über die hohen Weidezäune, geritten. Als Frau im Damensattel und im langen Rock konnten nur wenige bei den englischen Reitjagden mithalten. Sissi wollte nicht nur mithalten. Wie gewohnt wollte sie die schnellste und beste sein und wurde zur "Kaiserin hinter der Meute". Bei den wenigen Reitern die am Ziel ankamen war immer öfter die österreichische Kaiserin, ein Verdienst des "Piloten" Bay Middleton.

http://urmeli.ungarninfo.org/yappa/show.php?size=320x320&album_name=%2FMitgliederalben%2Fwaldi%2FSisi%2F&obj_name=elisabeth_zu_Pferd002.jpg
"die Kaiserin hinter der Meute"


Im Kreis ihrer Reiterfreunde war Elisabeth so heiter und ungezwungen wie sie es in Wien niemals sein konnte. Zum Abschluss ihres Englandaufenthaltes gab Sissi ein Fest für alle die ihr geholfen hatten, vom Obersthofmeister bis zum Stallburschen. Mit dieser Geste gewann sie viele Herzen in England.
In Wien wurde die Kaiserin dagegen nur kühl empfangen und die Kritik, auch der einfachen Menschen, die für ihr teures Hobby kein Verständnis hatten, war unüberhörbar.
Die Zeit zwischen dieser und der nächsten Englandreise verbrachte Elisabeth beim Reittraining und auf Jagden im mährischen Göding, im böhmischen Pardubitz und in Gödöllő.

Im Sommer 1876 lud Sissi ihren englischen Piloten nach Gödöllő ein. Dort geriet er mit dem Platzhirschen Niki Esterházy in eine ziemlich aggressive Rivalität. Bay Middleton fühlte sich in Gödöllő nicht besonders wohl, ritt aber bis zum Ende seines Aufenthaltes neben der Kaiserin.
Bedenkt man den Fanatismus mit dem sich Sissi auf ihre Reiterei konzentrierte, die beinahe ein Jahrzehnt ihres Lebens ausfüllte, dann kann man ihre enge persönliche Verbindung zu dem Mann verstehen, der in den Stunden ihrer größten Triumphe an ihrer Seite war.

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Verfasst am: 16.10.2009 00:10
waldi
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Sissi, Königin der Ungarn 24. Teil


1878 bis 1882 fast nur Reitjagden

Im Januar 1878 fuhr Sissi wieder nach England, nach Cottesbrook. Dort erwartete sie ihr Pilot Capt. William George "Bay" Middleton.

Auch Kronprinz Rudolf war zur Studienreise durch England aufgebrochen. Mutter und Sohn gingen jedoch getrennte Wege. Rudolf absolvierte eine anstrengende Besichtigungs- und Bildungsreise und verfasste hier in England seine anonyme Flugschrift gegen den österreichischen Adel. Darin kritisierte er das untätige Leben mancher Aristokraten und verurteilte als Tierfreund auch die Reitjagden.

Bei den wenigen Treffen mit seiner Mutter kam es zu schweren Differenzen. Sissis Schwester Marie von Neapel hatte Rudolf erzählt, dass seine Mutter ein Verhältnis mit ihrem Piloten Bay Middleton hätte. Rudolf war über diese Enthüllung derart entsetzt, dass er gegen Middleton aggressiv wurde. Darauf war dieser tödlich beleidigt.
Gräfin Marie Festetics, die Rudolf sehr gern hatte, brachte ihn zu einer Aussprache. Sie versicherte dem "zu Tode verletzten und unglücklichen" Kronprinzen, dass an dem Gerede nichts Wahres wäre.
Das Gerücht drang auch bis zur Kaiserin vor und es kam zu einem heftigen Streit zwischen den Schwestern der zeitlebens nicht mehr beigelegt werden konnte. Sissi verlor durch diese Streitereien ihre Begeisterung für die englische Jagd und weil sie ihrer Schwester Marie nicht mehr begegnen wollte, die doch an jeder großen englischen Jagd teilnahm, beschloss sie künftig in Irland zu jagen. Lord Spencer, ein Vorfahre von Lady Diana, der früher Vizekönig von Irland war, bereitete die Reise vor. Die Freundschaft mit dem "roten Earl" (weil er einen roten Bart hatte) und seiner liebenswürdigen und hübschen Frau, "Spencer's Fairy Queen", wurde so eng, dass Sissi die beiden für den Sommer 1878 nach Ischl einlud, um sie dem Kaiser vorzustellen. Auch an den Herbstjagden in Gödöllő nahmen die Spencers teil.

http://urmeli.ungarninfo.org/yappa/show.php?size=320x320&album_name=%2FMitgliederalben%2Fwaldi%2FSisi%2F&obj_name=elisabeth_zu_Pferd001.jpg
die Kaiserin hinter ihrem Piloten


Während die Kaiserin ihr Reittraining absolvierte, ihre Schönheit pflegte und über Langeweile klagte, kämpften in Bosnien österreichische Soldaten gegen Partisanen.
Andrássy hatte beim Berliner Kongress 1878 mit der Unterstützung Bismarcks das Okkupationsrecht für die türkischen Provinzen Bosnien und Herzegowina erreicht und damit nach den schweren Differenzen im Krimkrieg das Zarenreich ein weiteres Mal schwer verärgert.
Die österreichischen Truppen wurden aber nicht als Befreier aus dem türkischen Joch, sondern als Feinde empfangen. Wieder hatte Elisabeth die Pflicht den Verwundeten in den Notspitälern ihren kaiserlichen Trost zu spenden.

Auch beim Hofball 1879 erschien die inzwischen 41jährige Kaiserin und löste, ob ihrer außergewöhnlichen Schönheit, allgemeine Begeisterung aus. Der österreichische Diplomat Alexander Graf Hübner schrieb über die Kaiserin: "…sehr schön, besonders von ferne gesehen sehr poetisch mit ihrem herrlichen Haarschmuck, der über ihre Schultern fiel und bis zum Gürtel herabreichte, Kaiserin bis zu den Fingerspitzen."
Doch die Stunden, die Sissi "im Geschirr" verbrachte, im diamantbesetzten Staatskleid, ein Diadem auf den kunstvoll frisierten Haaren, wurden immer seltener.

Inzwischen nahmen die Vorbereitungen für die nächste Irlandreise wieder die meiste Zeit in Anspruch. Neun ihrer Pferde, vor allem die teuren englischen, die Middleton für sie eingekauft hatte, waren in England und wurden dort trainiert. Da man in Irland aber weniger hohe Gatter hatte und breitere Gräben und Wälle, mussten die Pferde weniger hohe, aber dafür weitere Sprünge beherrschen. Außer Füchsen wurden in Irland auch Hirsche gejagt, was wieder andere Anforderungen an Pferd und Reiter stellte. Die Umschulung von Sissis Pferden, die nach Irland gebracht worden waren, überlebten drei davon nicht. Middleton besorgte neue Pferde, was wieder beträchtliches Geld kostete. Dies sorgte wieder für Unmut in Wien, wo man mit den Folgen der Okkupationskämfe in Bosnien fertig werden musste. Man beklagte die Einsamkeit des Kaisers und die fehlende Präsenz der Kaiserin und die hohen Ausgaben für ihren Pferdesport.

Politisch nahm Sissi keinerlei Rücksicht. In England waren Elisabeths Irlandbesuche eine offene Provokation für Queen Victoria, da es, als Folge sozialer Spannungen der armen katholischen Iren mit den reichen anglikanischen englischen Pächtern, zu Unruhen kam.
Die nationalistischen irischen Zeitungen nützten Elisabeths Besuche für ihre Zwecke waidlich aus und griffen das britische Königshaus an, dessen Mitglieder sich in Irland nicht sehen ließen.
Sissi wollte reiten – alles andere langweilte sie.
Die Gestalt der schönen Kaiserin von Österreich ist bis heute in Irland sagenumwoben wie die einer geheimnisvollen Reiterfee. Noch heute werden in irischen Familien Sissis Spitzentaschentücher aufgehoben, die sie in großer Zahl als Dank für kleine Hilfsleistungen fallen ließ.

Als im März 1879 Ungarn unter einer Überschwemmungskatastrophe mit vielen Toten litt, war Sissi bereit ihren Aufenthalt in Irland abzubrechen. Die Ställe in Irland blieben aber bestehen. Auch ihr Bett ließ Elisabeth in Irland.


Im April 1879 feierte das Kaiserpaar Silberhochzeit, laut Kaiser Franz Joseph "ein wahres Familienfest aller Völker Meines Reiches". Er bat, "alles kostspielige Gepränge" zu vermeiden und stattdessen die Armen zu bedenken.
Inmitten des Festtrubels blieb Elisabeth ungerührt und machte nach Aussagen ihrer Nichte Marie Larisch "…meist eine Miene wie eine indische Witwe, die verbrannt werden soll; und als ich ihr dies in einem unbelauschten Augenblick sagte, lachte sie zwar, meinte aber, es sei schon genug, 25 Jahre verheiratet zu sein, aber deshalb Feste zu feiern, wäre unnötig…."
Dieses Familienfest war für die Kaiserin nichts als eine große Plage und Last. Die große Soiree am Vorabend des Hochzeitstages verließ die Kaiserin bereits nach einer Viertelstunde und ließ den Silberbräutigam allein die nötigen Honneurs machen.
Inmitten der patriotischen Freude um sie herum reagierte Sissi wieder nur als Privatperson. Sie beklagte ihr Alter, ihre spannungslose Ehe und die Missbilligung des Hofes und beschwerte sich darüber.
Die kritischen Kommentare in Wien nahm die Kaiserin nur mit Hohn zur Kenntnis.

Anfang 1880 fuhr sie ein zweites Mal nach Irland. Inzwischen war sie 42 Jahre alt und mehrfache Großmutter. Trotzdem fühlte sie sich fit genug um in der internationalen Reiterelite zu bestehen. Bei einer besonders schwierigen Jagd ritt Elisabeth sogar ohne Handschuhe, um das Pferd sensibler führen zu können. Sie, die in Gödöllő so heikel war, dass sie drei Handschuhe übereinander trug, nahm hier in England, an der Seite Middletons, blutig geschundene Hände in Kauf.
Die Triumphe auf den Parforcejagden bedeuteten einerseits eine Selbstbestätigung für Elisabeth, die hier ja nicht als Kaiserin, sondern als Sportlerin und schöne Frau brillierte, andererseits auch Freiheit von höfischen Zwängen. Ihr Leben als Kaiserin beklagte Sissi: "Warum muss ich in den Käfig zurückkehren? Warum konnte ich mir nicht alle Knochen brechen, damit ein Ende ist mit allem!"
Solche, an Hysterie grenzende Ausbrüche erschreckten Elisabeths Umgebung stets aufs Neue. Da half allein der Hinweis auf die Lieblingstochter Marie Valerie. Sissi zu Marie Larisch: "Ich würde mich versündigen, wünschte ich sie zu verlassen. Mein "kedvesem" (ungarisch: Liebling) ist alles, was ich noch auf der Welt habe. Alles was man mir noch gelassen hat."

In dieser Zeit der ungezügelten Lebenslust inmitten von Sportsfreunden verstärkte sich Elisabeths Menschenverachtung. Außer Bay Middleton gab es keinen Menschen in ihrer Umgebung, der ein offenes Wort gewagt hätte. Mit Marie Festetics, deren schwierige Aufgabe es war, die Kaiserin immer wieder an ihre Pflichten zu erinnern, kam es bald zu Zerwürfnissen.

Vor ihrer Abreise gab Elisabeth Anweisung, weitere vier Pferde aus Österreich nach Irland zu bringen, damit sie für die nächste Saison zugeritten werden könnten.

Auf der Rückreise machte Elisabeth diesmal Zugeständnisse an den Wiener Hof. Sie traf in London den englischen Premierminister, den österreichischen Botschafter, den Prince of Wales und sogar Queen Victoria.

Hier in London erreichte sie das Telegramm, dass sich Kronprinz Rudolf soeben in Brüssel mit der 16jährigen Tochter des Königs der Belgier, Prinzessin Stephanie, verlobt hatte.
Elisabeth unterbrach nun ihre Reise noch in Brüssel. Der kurze Gratulationsbesuch war nicht mehr als eine lästige Pflicht.

Für 1881 bereitete Sissi eine neuerliche Jagdreise vor. Sie trainierte wie gewohnt, hatte aber zunehmend unter rheumatischen Anfällen zu leiden. Ihre Stimmung wurde zunehmend düsterer. Sie hatte auch häufiger als früher nervöse Störungen, die auch die kleine Valerie erschreckten. So schrieb diese am 1. Januar 1881 in ihr Tagebuch: "Mama hatte ein sehr starkes Bad, und als ich zu ihr kam, lachte sie in einem fort, denn das Bad hatte sie ganz nervose gemacht. Ich hatte Angst, doch geht es ihr heute zum Glück schon wieder gut."

Bay Middleton erlitt bei einem schweren Reitunfall einen Schädelbruch. Doch als er nach einem Monat wieder im Sattel saß, war ausgemacht, dass er die Kaiserin wieder pilotieren würde.
Die politischen Verhältnisse ließen aber eine Irlandreise in diesem Jahr nicht zu. Die Jagdreise wurde nach England verlegt. Vorbereitungen wurden in dem neuen Herrenhaus in Chesire in Angriff genommen. In der Hoffnung, dass die Lage in Irland einen Besuch doch noch zuließe, wurde auch dort weitergearbeitet. Aber es blieb bei England. Alle Pferde aus Wien, von Gödöllő und aus Irland wurden hier zusammengebracht. Fürst Rudolf Liechtenstein, der wieder zu Elisabeths Begleitern zählte, brachte acht Pferde mit und Middleton zehn.

An 22 von 28 Tagen war Elisabeth an der Jagd beteiligt.

Die anstrengenden Jagden an der Seite des nun 33jährigen Middleton strapazierten die zehn Jahre ältere Kaiserin weit mehr als früher. Zudem hatte Middleton private Sorgen. Seine langjährige Freundin aus reicher Landbesitzerfamilie war eifersüchtig, wollte nach langen Verlobungsjahren endlich heiraten und dachte nicht daran, Bays Verehrung für die Kaiserin weiterhin zu tolerieren.

Noch ein letztes Mal, 1882, jagte Elisabeth in England. Aber Middleton war nicht mehr ihr Pilot. Mit einem anderen aber machte es ihr keinen Spaß mehr. Sie gab die Reitjagd unvermittelt auf und ließ alle Pferde aus ihren englischen Ställen verkaufen.
Ein Abschnitt ihres Lebens war zu Ende.

In den achtziger Jahren fuhr Sissi zwar noch einige Male nach England, aber nur um dort Seebäder zu nehmen.

Bay Middleton heiratete Ende 1882. Offensichtlich wurde ein geheimer Briefwechsel mit der Kaiserin aufrechterhalten. Die beiden trafen sich noch einige Male. Marie Larisch berichtet über ein Treffen in Amsterdam und Valerie erwähnt in ihrem Tagebuch einen Besuch Middletons bei ihrer Mutter während eines Aufenthaltes in England im März 1888.

Bay Middleton brach sich 1892 bei einem Pferderennen das Genick.

http://urmeli.ungarninfo.org/yappa/show.php?size=320x320&album_name=%2FMitgliederalben%2Fwaldi%2FSisi%2F&obj_name=Red_Rose.jpg
eines von den Pferden der Kaiserin: "Red Rose"
Gemälde von Wilhelm Richter, 1871


Dieses Gemälde befindet sich heute – wie noch viele andere – in der Wagenburg in Wien.

Sissi war nicht nur eine leidenschaftliche Reiterin – sie liebte Pferde!
Über lange Zeit verfügte sie über einen Stall mit etwa 30 eigenen Reit- und Zugpferden. Viele dieser Pferde wurden von den Malern des Hofes für die Kaiserin portraitiert. Ein besonderes Kuriosum war die so genannte "Reitkapelle", ein Salon der ganz mit Pferdeportraits ausgekleidet war. Nur besondere Gäste, die auch Pferdeliebhaber waren, wurden von der Kaiserin in die "Reitkapelle" geführt. Einer von ihnen war Sissis Vorleser Constantin Christomanos.
"Sehen Sie, so viele Freunde habe ich schon verloren und keinen einzigen gewonnen. Viele davon sind für mich in den Tod gegangen, was kein Mensch je getan haben würde; eher würden sie mich ermorden."


waldi winki.gif

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Verfasst am: 27.05.2017 12:57
Karin
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Eigentlich ist doch das Jahr 2017 ein Jahr für Waldi.Ist doch in diesem Jahr der 180 Geburtstag von Sissi und der 150 Jahrestag ihrer Krönung in ungarn.Im Schloss Gödöllö findet deshalb auch ein Krönungswochenende statt.http://www.kiralyikastely.hu/inhalt.157.kronungs-wochenende_ Von Budapest aus kann man mit einem Nostalgiezug der MÁV bis Gödöllö reisen.In Veszprém wurde aus gleichem Anlass eine Ausstellung im Érsek-Palotá eröffnet.
Verfasst am: 27.05.2017 15:31
waldi
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"Karin" schrieb:
Eigentlich ist doch das Jahr 2017 ein Jahr für Waldi.

Stimmt, Karin!
Eigentlich ist jedes Jahr ein Jahr für mich, aber 2017 ist schon ein besonderes Jahr!

"Karin" schrieb:
Ist doch in diesem Jahr der 180 Geburtstag von Sissi und der 150 Jahrestag ihrer Krönung in ungarn.

So ist es!
Die Krönung von Elisabeth zur ungarischen Königin fand am 8. Juni 1867 in der Matthiaskirche statt.
Deshalb werde ich mich ab 2. Juni in Ungarn rumtreiben.
Am Krönungstag werde ich einem Konzert in der Matthiaskirche beiwohnen in dem die Krönungsmesse die Liszt Ferenc eigens für die damalige Krönung komponiert hat zu hören ist.

"Karin" schrieb:
Von Budapest aus kann man mit einem Nostalgiezug der MÁV bis Gödöllö reisen.

Die Fahrkarte ist schon lange gebucht!

"Karin" schrieb:
Im Schloss Gödöllö findet deshalb auch ein Krönungswochenende statt.

Das Programmm am 10. Juni beginnt mit dem Nostalgiezug vom Westbahnhof nach Gödöllő.
Dort werden wir im königlichen Wartesaal empfangen und zum Schloss geführt wo ein kleines Folkloreprogramm vorgesehen ist.
Nach dem Mittagessen im "Erzsébet Királyné Szálloda" nehme ich an einer großen Schlossführung teil.
Kurz nach 17 Uhr bringt mich der Nostalgiezug wieder zum Westbahnhof in Pest.

Danach werde ich mich für etwa 3 Monate in meine Sommerfrische in Mezőkövesd zurückziehen und mich in den warmen Bädern von dem Stress erholen.

Liebe Grüße von waldi https://www.cosgan.de/images/smilie/froehlich/g020.gif


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Verfasst am: 28.05.2017 19:55
Karin
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Na, waldi, das ist doch mal ein tolles Programm für den Sommer. Viel Spass dabei und natürlich auch gute Erholung.
Verfasst am: 09.06.2017 09:20
Karin
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Da 2017 eben ein ganz besonderes Jahr für Sissi Freunde ist hier einige Links, was denn so die deutschsprachige Presse darüber zu berichten weiss (ohne Wertigkeit verlinkt)

Sissi die ung. Kaiserin

Kaiser franz wird doppelmonarch

Herzensanliegen

Was Sisi heute für die Menschen verkoerpert
Verfasst am: 09.06.2017 13:22
Willipitschen
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In Wikipedia steht es aber etwas anders, da wird nicht von der Ungarischen Kaiserin gesprochen.

"Wikipedia" schrieb:

Elisabeth Amalie Eugenie, Herzogin in Bayern (auch Sisi genannt, seit den
Ernst-Marischka-Filmen auch als Sissi bekannt;
* 24. Dezember 1837 in München, Königreich Bayern; † 10. September 1898 in Genf)
war eine Prinzessin aus der herzoglichen Nebenlinie Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld-Gelnhausen
des Hauses Wittelsbach, durch ihre Heirat mit ihrem Cousin Franz Joseph I.
ab 1854 Kaiserin von Österreich und Apostolische Königin von Ungarn.

Jetzt weiß ich aber nicht, was eine Apostolische Königin von Ungarn ist.

Gyuri hat nur die "Quote-Syntax" berichtigt icon_redface.gif

viele Grüsse
Willipitschen
Nichts bewegt sich wie ein Citroën


http://up.picr.de/3847845.jpghttp://up.picr.de/29163765aw.jpghttp://up.picr.de/31571396wm.jpg
Verfasst am: 09.06.2017 15:38
waldi
Halbungar
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"Willipitschen" schrieb:
In Wikipedia steht es aber etwas anders, da wird nicht von der Ungarischen Kaiserin gesprochen.


Willi, ich denke dass in der Artikelüberschrift Elisabeths Hang zu den Ungarn betont werden sollte.
Natürlich war der kurze richtige Titel "Elisabeth, Kaiserin von Österreich, Königin von Ungarn".
Eine ungarische Kaiserin gab es nie.
Trotzdem ist der erste Link von Karin der, der der Geschichte am Nächsten kommt.
Die beiden weiteren Links sind fast identisch und mit Ungenauigkeiten behaftet.

"Willipitschen" schrieb:
Jetzt weiß ich aber nicht, was eine Apostolische Königin von Ungarn ist.

Apostolisch bedeutet "im Sinne der Apostel". Ich deute es als "in Gnade des Papstes", was der Wirklichkeit näher kommen dürfte. Die Habsburger verstanden sich "als von Gott berufen" Deshalb argumentierte der letzte Kaiser Karl als man ihn zum Rücktritt aufforderte: "Ich wurde von Gott eingesetzt und kann auch nur von Gott von dieser Berufung befreit werden!"

Der "große Titel" des österreichischen Kaisers kann bei Wikipedia nachgelesen werden.
de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fer_Titel_des_Kaisers_von_%C3%96sterreich

Danke für die Links, Karin!


Liebe Grüße von waldi aus Budapest

Und immer neugierig bleiben!

http://s3.postimage.org/1zvvyhyys/Waldis_Sissi_Seiten_weiss180.jpg
Verfasst am: 09.06.2017 15:53
Karin
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Hallo willipitschen,
nur mal so als kleiner hinweis. Wenn man auf den Léink unter dem Name Sissy, die ung. Kaiserin klickt kommt man zu einem Zeitungsartikel, der genau diese Überschrift hat und deshalb wurde der Linkname von mir so gewáhlt.Genau so wie der Name der anderen Links sich auf den Titel des Artikels beziehen. und als Abschluss

http://3.bp.blogspot.com/-NHGSzkV2E8c/UAaXmEhZ8-I/AAAAAAAAAfc/rAeL4gnxUZs/s1600/Sisi+175.jpg



 
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