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Die Heimat des Lajos Àmi

Das Komitat Szabolcs-Szatmár-Bereg, die Heimat des Lajos Àmi, liegt im nordöstlichen Teil Ungarns und grenzt an die Slovakei, die Ukraine und Rumänien. Es ist bis heute das rückständigste der neunzehn Komitate Ungarns und hat im Gegensatz zu den anderen Regionen viel von der traditionellen Lebensweise und Kultur bewahrt. Unter Szatár verstehen wir - geographisch und volkskundlich - die östliche Hälfte dieses Komitats, die von dem Friedensvertrag von Trianon (1920) zum damaligen Komitat Szatár mit der Hauptstadt Szatmárnémeti (jetzt Satu-Mare) gehörte.

Die Einwanderung der Zigeuner

Die Einwanderung der Zigeuner ins Karpatenbecken, das Territorium des historischen Ungarns, begann nach neueren Belegen bereits Anfang des 13. Jahrhunderts. Im 14. Jarhundert gab es in Ungarn schon ein "Zigeunergeschlecht" und drei Dörfer mit dem Namen "Czigan". Anfang des 15. Jahrhunderts wanderten Zigeuner in Scharen vom Balkan nach Ungarn ein. Sie nannten sich büßende Pilger, führten ihre Zerstreuung auf den Fluch Noahs zurück oder bezeichneten sich als das führerlose Volk des im Roten Meer bei der Verfolgung der Juden ertrunkenen Königs Pharao.

Im Jahre 1416 gab das siebenbürgisch-sächsische Kronstadt dem "aus Ägypten kommenden Herrn Emmaus und seinen 120 Gefährten" Geld und Lebensmittel. Der Schutzbrief des ungarischen Königs und römisch-deutschen Kaisers Sigismund (1423) ermöglichte den Zigeunern, sich fast überall in Europa zu verbreiten.

 

Von der Mitte des 16. Jahrhunderts an wurden in Ungarn die Wanderrouten der Zigeunersippen infolge der türkischen Gebietseroberungen stark eingeschränkt, sodass sich nur noch Siebenbürgen und die nordöstlichen Teile Ungarns, die bis 1877 als "Partium" den siebenbürgischen Fürsten unterstanden, als sicheres Territorium für die Zigeuner erwiesen. Die Zigeuner im Partium, wozu auch das historische Szatmár gehörte, sprachen Zigeunerisch und Ungarisch, das ihnen allmählich zur Muttersprache wurde. Seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nennen sie sich Ungarn oder ungarische Zigeuner, auch in der Fachliteratur werden sie als "ungarische Zigeuner" oder als "Romungros" bezeichnet.

Von der Mitte des 19. Jahrhunderts an lösten das Ende des Feudalismus, die industrielle Revolution und die rasche Entwicklung der Städte neue Völkerwanderungswellen aus. Aus dem Walachischen Tiefland und der Moldau kamen über Siebenbürgen nach langer Wanderung rumänische Zigeuner und ließen sich im damaligen Komitat Szatmár und seiner Umgebung nieder.

 

Wie die Zigeuner im Komitat Szatmár im 19. Jahrhundert lebten und womit sie sich beschäftigten, darüber gibt das "Zigeunerregister" des Jahres 1893 detaillierte Informationen.

Von den registrierten 5573 Zigeunern, das waren 2,41% der Gesamtbevölkerung, sprachen:

 

4451 nur Ungarisch

1122 ebenso Zigeunerisch wie Ungarisch.

 

Offensichtlich gehörten erstere zur Gruppe der "ungarischen Zigeuner" und letztere zur Gruppe der "walachischen Zigeuner".

 

Als bevorzugte Gewerbezweige und Tätigkeiten werden angeführt: Lehmarbeiter (955), Lehmziegelstreicher (680), Tagelöhner (634), Musikanten (478), Ziegelbrenner (273), Schmiede (247), Spinner, Weber, Korbflechter (154), Seiler, Bindfadenmacher (113), Trogmacher (99), Kesselmacher und -flicker (79), Abdecker (16). Unter den Arbeitslosen finden sich die Diebe, Wahrsager und Kartenleger (Zigeunerregister 1895, 50, 60-82).

 

1893 machten die Zigeuner im heutigen Rest-Szatmár 2,99% der Gesamtbevölkerung aus. Innerhalb von hundert Jahren wuchs die Zahl um das Zwei- bis Dreifache.

 

Während die ungarischen Zigeuner den Weg der Verbürgerlichung eingeschlagen haben, trifft das auf die walachischen Zigeuner weniger zu. Sie sprechen in ihrem eigenen Umfeld bis heute Zigeunerisch. Die ungarische und die zigeunerische Bevölkerung lebten im 19. und im 20. Jahrhundert relativ friedlich nebeneinander.

 

Die Zigeuner trugen mit ihren spezifischen Tätigkeiten zur wirtschaftlichen Entwicklung der Region bei. Das Zusammenleben über mehrere Jahrhunderte ermöglichte das Kennen lernen und den Austausch kultureller Werte. Leider hat man sehr spät begonnen, die Volksüberlieferungen der Ungarn und vor allem der Zigeuner zu sammeln.

Märchen erzählen "einst und heute"

Eine hervorragende Gelegenheit, gegen Bezahlung zu erzählen, boten die früheren Märkte, wo sich schnell ein Kreis neugieriger Hörer um den Märchenerzähler bildete. Bei solchen Gelegenheiten wurden im Allgemeinen kurze, spassige und pikante Geschichten vorgetragen, und nach der Erinnerung von Augenzeugen blieb der Hut, den die Erzähler auf die Erde gelegt hatten, niemals leer. Es kam vor, dass die Gutsverwalter Zigeuner, die gut erzählen und reden konnten, als Gelegenheitsarbeiter anwarben und ausschließlich dafür bezahlten, die Saisonarbeiter und Tagelöhner bei monotoneren Arbeiten mit lustigen und kurzweiligen Geschichten zu unterhalten.

 

Im 20. Jahrhundert geriet der Kreis der Märchenerzähler und -hörer mehr und mehr in den Hintergrund. In Ungarn starben die Märchenerzähler nach und nach aus, zuerst in Kleinstädten, dann auch in den Dörfern. Die Gründe liegen auf der Hand: Auch die Menschen auf den Dörfern und Gehöften lernen lesen, sie besitzen Radio und Fernsehen. Das Bündeln und Spinnen und andere gesellige Arbeiten sind verschwunden. Gleichzeitig sank der Lebensstandard eines Großteils der Zigeuner immer mehr, was in erster Linie darauf zurückzuführen ist, dass die traditionellen Zigeunerarbeiten (Lehmziegelstreichen, Musizieren, Tagelöhnerarbeit...) nicht länger gefragt waren und die Betriebe ungelernte Arbeiter nicht gebrauchen konnten. So bestand die Abgeschlossenheit des Zigeunertums fort damit auch seine traditionsbewahrende Rolle.

 

"Die Zigeuner bewahren auch Lieder und Gebräuche, die ihre nicht-zigeunerische Umgebung seither schon fast völlig vergessen hat."

Auf dieser Grundlage hält man das Zigeunertum für stark traditionsbewahrend. In Wirklichkeit kann man nur von Verspätung sprechen: Es bewahrt das Übernommene ein bis zwei Generationen länger als das ungarische Bauerntum, das seit der Jahrhunderwende rapide seine Volkskultur verliert. Darum müssen wir noch eine letzte Anstrengung unternehmen, um die im Zigeunertum noch lebendigen Märchen und Sagen zu sammeln.

Quelle: ZigeunerMärchen aus Ungarn - BegründerFriedrich von der Leyen - Herausgeber Hans-Jörg Uther -Bechtermünz Verlag - GenehmigteLizenzausgabe für Weltbild Verlag GmbH, Augsburg 1998
 
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