Ungarn, Land und Leute
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Zigeuner-Märchen aus Ungarn
Die Einwanderung der Zigeuner

ZigeunerwägenDie Einwanderung der Zigeuner ins Karpatenbecken, das Territorium des historischen Ungarns, begann nach neueren Belegen bereits Anfang des 13. Jahrhunderts. Im 14. Jarhundert gab es in Ungarn schon ein "Zigeunergeschlecht" und drei Dörfer mit dem Namen "Czigan". Anfang des 15. Jahrhunderts wanderten Zigeuner in Scharen vom Balkan nach Ungarn ein. Sie nannten sich büßende Pilger, führten ihre Zerstreuung auf den Fluch Noahs zurück oder bezeichneten sich als das führerlose Volk des im Roten Meer bei der Verfolgung der Juden ertrunkenen Königs Pharao.
Im Jahre 1416 gab das siebenbürgisch-sächsische Kronstadt dem "aus Ägypten kommenden Herrn Emmaus und seinen 120 Gefährten" Geld und Lebensmittel. Der Schutzbrief des ungarischen Königs und römisch-deutschen Kaisers Sigismund (1423) ermöglichte den Zigeunern, sich fast überall in Europa zu verbreiten.

Von der Mitte des 16. Jahrhunderts an wurden in Ungarn die Wanderrouten der Zigeunersippen infolge der türkischen Gebietseroberungen stark eingeschränkt, sodass sich nur noch Siebenbürgen und die nordöstlichen Teile Ungarns, die bis 1877 als "Partium" den siebenbürgischen Fürsten unterstanden, als sicheres Territorium für die Zigeuner erwiesen. Die Zigeuner im Partium, wozu auch das historische Szatmár gehörte, sprachen Zigeunerisch und Ungarisch, das ihnen allmählich zur Muttersprache wurde. Seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nennen sie sich Ungarn oder ungarische Zigeuner, auch in der Fachliteratur werden sie als "ungarische Zigeuner" oder als "Romungros" bezeichnet.
Von der Mitte des 19. Jahrhunderts an lösten das Ende des Feudalismus, die industrielle Revolution und die rasche Entwicklung der Städte neue Völkerwanderungswellen aus. Aus dem Walachischen Tiefland und der Moldau kamen über Siebenbürgen nach langer Wanderung rumänische Zigeuner und ließen sich im damaligen Komitat Szatmár und seiner Umgebung nieder.

Wie die Zigeuner im Komitat Szatmár im 19. Jahrhundert lebten und womit sie sich beschäftigten, darüber gibt das "Zigeunerregister" des Jahres 1893 detaillierte Informationen.
Von den registrierten 5573 Zigeunern, das waren 2,41% der Gesamtbevölkerung, sprachen:

4451 nur Ungarisch
1122 ebenso Zigeunerisch wie Ungarisch.

Offensichtlich gehörten erstere zur Gruppe der "ungarischen Zigeuner" und letztere zur Gruppe der "walachischen Zigeuner".


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Als bevorzugte Gewerbezweige und Tätigkeiten werden angeführt: Lehmarbeiter (955), Lehmziegelstreicher (680), Tagelöhner (634), Musikanten (478), Ziegelbrenner (273), Schmiede (247), Spinner, Weber, Korbflechter (154), Seiler, Bindfadenmacher (113), Trogmacher (99), Kesselmacher und -flicker (79), Abdecker (16). Unter den Arbeitslosen finden sich die Diebe, Wahrsager und Kartenleger (Zigeunerregister 1895, 50, 60-82).

1893 machten die Zigeuner im heutigen Rest-Szatmár 2,99% der Gesamtbevölkerung aus. Innerhalb von hundert Jahren wuchs die Zahl um das Zwei- bis Dreifache.

Während die ungarischen Zigeuner den Weg der Verbürgerlichung eingeschlagen haben, trifft das auf die walachischen Zigeuner weniger zu. Sie sprechen in ihrem eigenen Umfeld bis heute Zigeunerisch. Die ungarische und die zigeunerische Bevölkerung lebten im 19. und im 20. Jahrhundert relativ friedlich nebeneinander.

Die Zigeuner trugen mit ihren spezifischen Tätigkeiten zur wirtschaftlichen Entwicklung der Region bei. Das Zusammenleben über mehrere Jahrhunderte ermöglichte das Kennen lernen und den Austausch kultureller Werte. Leider hat man sehr spät begonnen, die Volksüberlieferungen der Ungarn und vor allem der Zigeuner zu sammeln.

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Quelle: Zigeuner Märchen aus Ungarn - Begründer Friedrich von der Leyen - Herausgeber Hans-Jörg Uther - Bechtermünz Verlag - Genehmigte Lizenzausgabe für Weltbild Verlag GmbH, Augsburg 1998